Lifestyle / Kultur
01 Mai 2022

Umweltschutz mal anders: Eine Milliarde Austern für New York

New York war einst berühmt für Austern. Doch je stärker die Stadt wuchs, desto schneller schwanden die Bestände. Dank einer Initiative kehren sie nun zurück – und helfen, das Wasser im Hafen der Metropole zu säubern.

Hot Dogs, Cheesecake, Bagel und Pizza – das sind die Speisen, die Besucher und Einheimische üblicherweise mit New York verbinden. Doch das war nicht immer so. Was heute kaum noch jemand weiß: Im 19. Jahrhundert galt die Metropole als Welthauptstadt der Austern. Die Muschel zählte zu den beliebtesten Mahlzeiten der New Yorker und an nahezu jeder Straßenecke konnte sie verzehrt werden: in Restaurants, Austern-Bars und Markthallen genauso wie an Austern-Ständen. Wie heute die Hot Dog Stands prägten sie einst das Straßenbild der Stadt. 

Dass die Auster in New York bis zum 20. Jahrhundert keine kostbare Delikatesse war, sondern ein günstiger und nahrhafter Imbiss, lag vor allem daran, dass das New Yorker Hafenbecken über und über von Austern besiedelt war. Als Henry Hudson im Jahr 1609 in der Bucht der heutigen Großstadt ankam, segelte er durch rund 900 Quadratkilometer große Austernbänke – eine Fläche in etwa so groß wie Berlin. Nirgendwo sonst wuchsen so viele Austern. Im 19. Jahrhundert wurden mehr als die Hälfte aller Austern auf der Welt in den Gewässern New Yorks geerntet.

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Das Jamestown Team in New York arbeitet zum Erth Day auf einer Muschel Plantage.

Das Ende der Austern

Doch je stärker die Stadt wuchs, desto schneller schwanden die Austernbestände. Die sumpfig-steinigen Ufer, die den Muscheln einst ein ideales Zuhause geboten hatten, wichen immer neuen Schottwänden und Piers. Überfischung und zunehmende Wasserverschmutzung taten ihr Übriges. Als Typhusbakterien über die Kanalisation in das Wasser gelangten, wurden die Austern ungenießbar. Daraufhin wurde 1927 die letzte Austernbank der Stadt abgeriegelt und die Ernte verboten. Zwar stellte der „Clean Water Act“ Wasserverschmutzung ab 1972 unter Strafe, die Austernbestände konnten sich dadurch aber kaum erholen. Deshalb haben die beiden New Yorker Murray Fisher und Pete Malinowski 2014 das „Billion Oyster Project“ gegründet. Ziel ist es, bis 2035 eine Milliarde Austern im New Yorker Hafenbecken anzusiedeln und damit einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Denn eine einzige Auster kann rund 200 Liter Wasser am Tag reinigen. Mit einer Milliarde Austern könnte so das stehende Wasser im Hafen einmal alle drei Tage gereinigt werden, wenn man den Zu- und Abfluss vom beziehungsweise in den Atlantik nicht einrechnet.

Schalenberge für den Neuanfang

Die Idee zu dem Projekt entwickelten Fisher und Malinowski an der Harbor School, an der Fisher als Direktor und Malinowski als Lehrer für Aquakultur tätig waren. Das College, das auf Maritimes spezialisiert ist, befindet sich auf Governors Island, einer kleinen Insel, die rund zehn Fährminuten von der Südspitze Manhattans entfernt ist. 

Wichtige Grundlage des Billion Oyster Project sind riesige Berge von Austernschalen, die unweit der Harbor School liegen. Denn neue Austern können nur auf Muschelschalen gezüchtet werden. Diese Schalen stammen aus New Yorker Restaurants. Rund 500 Tonnen befinden sich derzeit auf Governors Island. Bis tatsächlich neue Austern auf ihnen wachsen, ist es jedoch ein langer Weg: Zunächst müssen die Schalen etwa ein Jahr aushärten. So stellt das Team des Billion Oyster Project sicher, dass sich keine Krankheitserreger oder Keime auf die neuen Austern übertragen. Die Jungaustern wiederum werden zunächst im Labor der Harbor School gezüchtet: Erst werden Keimzellen in Wassertanks befruchtet, dann werden die dabei entstehenden Larven mit einer speziellen Algenlösung gefüttert. Nach einigen Wochen siedelt das Team die Jungaustern in Tanks mit den Restaurant-Schalen um, sodass die Austern an die Schalen anwachsen können. 

Ist all das gelungen, füllen freiwillige Helfer die neuen Austern per Hand in Jutebeutel oder schwimmende Metallkäfige um. Anschließend werden die Muscheln im New Yorker
Hafenbecken ausgesetzt. Die bisher größte Austernbank in der Geschichte des Billion Oyster Project mit rund 15 Millionen Austern wurde 2020 im Bronx River kultiviert. Insgesamt konnten bis Ende 2020 rund 30 Millionen Austern ins Wasser gebracht und 13 Austernbänke angesiedelt werden. Über 6.000 Schüler und Studenten, rund 10.000 Freiwillige und rund 80 Restaurants haben sich bislang am Billion Oyster Project beteiligt. Finanziell unterstützt wird das Projekt von städtischen und staatlichen Einrichtungen sowie von Unternehmen, privaten Stiftungen, gemeinnützigen Organisationen und Einzelpersonen. Auch die Jamestown Charitable Foundation hat sich beteiligt. Allein im Jahr 2020 konnten so rund 4,2 Millionen US-Dollar eingenommen werden. Diese enorme Gemeinschaftsleistung trägt Früchte: Die Wasserqualität des New Yorker Hafens hat sich bereits messbar verbessert und erste große Vorkommen wilder Austern wurden gesichtet.

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Austern erfreuen nicht nur Feinschmecker - sie säubern auch den New Yorker Hafen.

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