Jamestown News
28 Mai 2026

Lissabon im Wandel: Wie Jamestown neue Arbeitswelten gestaltet

Herr Verwijs, was genau ist Ihre Rolle bei Jamestown?

Ich bin Teil des Assetmanagement-Teams. Unsere Aufgabe besteht darin, für die Eigentümerinnen und Eigentümer einer Immobilie eine nachhaltige Wertentwicklung zu erzielen – kurzfristig über Erträge und langfristig über Wertsteigerung.

Jan Verwijs, Senior Vice President Assetmanagement bei Jamestown Europe

Jan Verwijs, Senior Vice President Assetmanagement bei Jamestown Europe

Dafür sind wir bei Jamestown in viele Bereiche eingebunden: Vermietung, Strategieentwicklung, Positionierung, Markenaufbau und Revitalisierung. Den Großteil davon steuern wir intern und arbeiten dabei eng mit unterschiedlichen Teams zusammen.

In Portugal betreue ich zwei Objekte, darunter das IDB Lissabon. Besonders hervorheben möchte ich den integrierten Ansatz von Jamestown: Bereiche wie Marketing haben deutlich mehr Einfluss auf die Vision eines Gebäudes als in klassischen Immobilienunternehmen. Dadurch entstehen innovativere Lösungen und genau das nehmen unsere Mieterinnen und Mieter deutlich wahr.

Sie sind seit fünf Jahren im Unternehmen. Wie lange leben Sie bereits in Portugal und wie lange begleiten Sie das IDB?

Ich bin von Anfang an dabei gewesen, zunächst noch von London aus. Seit August 2023 lebe ich in Lissabon.

Der portugiesische Markt hat sich in den vergangenen zehn Jahren stark entwickelt und zieht Talente aus der ganzen Welt an. Das verändert die Dynamik der Stadt spürbar. Gleichzeitig sehen wir weiterhin erhebliches Potenzial für starkes Wachstum in den kommenden Jahren. Die Verbindung aus historischer Substanz und internationalem Einfluss schafft derzeit einen äußerst spannenden kulturellen Moment für Lissabon und Portugal.

IDB Lissabon Dachterrasse

Die öffentlich zugängliche Dachterrasse ist das Herzstück des IDB Lissabon.

Placemaking hat bei Jamestown einen sehr hohen Stellenwert. Welche Veränderungen haben Sie konkret beim IDB Lissabon umgesetzt?

Wir haben das Gebäude 2022 neu positioniert und mit der Eröffnung einer öffentlich zugänglichen Dachterrasse einen zentralen Treffpunkt geschaffen. Unser Ziel war es, das Gebäude attraktiver zu machen, nicht nur für Mieterinnen und Mieter, sondern auch für die Stadt. Deshalb ist die Dachterrasse bewusst öffentlich zugänglich. So entsteht eine lebendige, authentische Atmosphäre statt eines abgeschlossenen, klassischen Büroumfelds.

Dieser Ansatz wirkt auch nach außen: Die Dachterrasse hat maßgeblich dazu beigetragen, das IDB Lissabon als Marke zu etablieren. Unser Instagram-Account mit rund 30.000 Followerinnen und Followern zeigt, wie groß das Interesse ist – eine außergewöhnlich hohe Zahl für ein Bürogebäude. Außerdem holen wir gezielt Kunst und Kultur ins Gebäude. Das wird von unseren Mieterinnen und Mietern sehr geschätzt.

Beziehen Sie dabei auch gezielt lokale portugiesische Elemente ein?

Ja, wir arbeiten überwiegend mit lokalen Künstlerinnen, Künstlern und Kreativen zusammen. Teile der Dachterrasse wurden von Kunstschaffenden aus Lissabon gestaltet, darunter bekannte Gruppen wie Los Pepes und Crack Kids.

Dadurch entsteht ein Ort mit eigener Identität, etwas, das sich nicht einfach kopieren lässt. Auch bei unseren Gastronomiekonzepten arbeiten wir mit lokalen Betreiberinnen und Betreibern zusammen, ergänzt durch internationale Einflüsse, beispielsweise aus Brasilien.

Das Ergebnis ist kosmopolitisch, zugleich aber klar im lokalen Kontext verwurzelt.

Sie verantworten noch ein zweites Objekt in Portugal. Können Sie mehr darüber erzählen?

Ja, das Gebäude heißt Factory Lisbon und befindet sich im Beato Innovation District. Dort liegt der Fokus auf Unternehmen aus den Bereichen Innovation und Kultur. Es knüpft an Jamestowns Erfahrung aus Objekten wie Chelsea Market an. Wir schaffen bewusst Räume für kreative Ökosysteme. Mit rund 7.000 Quadratmetern vermietbarer Fläche ist dieses Objekt deutlich kleiner als das IDB, überzeugt jedoch durch eine ebenso hohe Dynamik und ein klar definiertes Konzept. 

Abseits finanzieller Kennzahlen: Wann ist ein Objekt aus Ihrer Sicht wirklich erfolgreich?

Wir entwickeln Arbeitsumgebungen, die den Erwartungen moderner Nutzerinnen und Nutzer entsprechen. Viele traditionelle Bürogebäude wirken repräsentativ, fühlen sich aber oft wenig zugänglich an.

Unser Ansatz ist ein anderer: Räume sollen einladend sein, Orientierung bieten und inspirieren. Das ist besonders relevant für Unternehmen, die Talente gewinnen möchten. Ein Beispiel dafür ist das Unternehmen Pictet Technology: Dort war die Dachterrasse ein entscheidender Faktor für die Anmietung, weil sie genau diese Art von Umfeld bietet. Unser Fokus liegt weniger auf reiner Architektur als vielmehr auf Nutzererlebnis, Atmosphäre und kultureller Einbindung.

IDB Lissabon, Portugal

IDB Lissabon, Portugal

Welche Rolle spielt die Geschichte eines Gebäudes in Ihrer Arbeit?

Wir integrieren bewusst Elemente der Gebäudegeschichte, ohne uns von ihnen einschränken zu lassen. Es geht darum, Bestehendes und Neues in Balance zu bringen. Beim IDB zeigt sich das besonders in der industriellen Architektur. Materialien und Strukturen erzählen bereits eine Geschichte, und genau das macht einen Ort unverwechselbar.

Sie haben einen Hintergrund in den Bereichen Vermietung, Marketing und Marktanalyse. Wie prägt das Ihre Arbeit heute?

Mein Hintergrund im Vermietungsgeschäft hilft mir sehr, weil wir bei Jamestown sehr praxisnah arbeiten. Ich führe persönlich Besichtigungen durch und vermittle dabei die Geschichte hinter dem Gebäude.

Ein prägender Moment für mich war eine Reise in die USA, bei der ich unsere dortigen Objekte besucht habe. Viele unserer Ansätze stammen von dort und wurden an den lokalen Kontext angepasst. Die zugrunde liegende Methodik ist im europäischen Markt bislang noch selten und dadurch ungewöhnlich.

Sie arbeiten nun seit etwa zweieinhalb Jahren in Portugal. Was hat Sie am Standort am meisten überrascht?

Die Effizienz und Professionalität der Menschen. Die Teams arbeiten sehr engagiert und detailorientiert. Es gibt zwar mitunter bürokratische Hürden, operativ habe ich bislang jedoch sehr positive Erfahrungen gemacht.

Gibt es noch etwas, das Sie über Portugal hervorheben möchten?

Portugal befindet sich derzeit in einer sehr starken Position: Die Wirtschaft wächst, die Staatsverschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt sinkt, die politischen Rahmenbedingungen sind stabil, und das internationale Interesse nimmt zu.

Gleichzeitig besteht weiterhin erhebliches Entwicklungspotenzial. Diese Kombination aus Stabilität und Dynamik macht den Markt besonders attraktiv für Investorinnen und Investoren sowie für Unternehmen.

Vielen Dank für das Gespräch!